"Wenn ich etwas genau so mache, wie ich es will, dann ist es Kunst!"

 

 Patricia Eichert fasziniert mit inszenierter Sixties-Welt.

Die Diplom-Kommunikations- und Fotodesignerin Patricia Eichert liebt und lebt die Sixties. In ihrem Studio kreiert sie Raumansichten aus den 50er und 60er Jahren. Farbenfroh und mit viel Liebe zum Detail. Hier  inszeniert sie intime Szenen mit Menschen und mit Hunden. Ihre anspruchsvollen Porträts fangen besondere  Momente ein und erzählen kleine, ungewöhnliche Geschichten, die den Betrachter immer wieder zum Staunen bringen.

Wie bist du nach Wuppertal gekommen?

 

Patricia Eichert: Ich habe lange in Solingen gelebt, bis Anfang Dreißig. Aber ich habe schon vorher in Wuppertal studiert und bereits in einer Eventagentur dort gearbeitet. 

 

Was hast du studiert? 

 

Kommunikations-Design. Der Schwerpunkt des Studiums lag größtenteils auf der Fotografie. Arbeitstechnisch war ich aber damals auch viel im Grafikdesignbereich tätig, auch schon als Studentin. Ich habe also in Wuppertal studiert, aber in Solingen gewohnt und mein Diplomthema war interessanterweise auch „Made in Solingen“. In meinem Thema ging es um Inszenierungen vor alten 50er-, 60er- und 70er-Jahre Gebäuden. Dort habe ich Solinger Persönlichkeiten in Szene gesetzt, ein Thema, das ich auch heute noch weiter verfolge. Und am Ende des Studiums dachte ich mir, dass es sinnvoller ist auch nach Wuppertal zu ziehen, denn das Büro war ja auch in Wuppertal. So bin ich eben nach Wuppertal gezogen. Aber zur Zeit habe ich zwei Wohnungen, eine in Wuppertal und eine in Antwerpen, in Belgien. 

 

Wie kommt es dazu? 

 

Das kommt daher, dass mein Freund Belgier ist und in Antwerpen wohnt. 

 

Warum ziehst du nicht ganz nach Antwerpen? 

 

Das ist erst einmal nicht geplant. Ich denke, so ein Netzwerk, dass man sich hier aufbaut, mit Freunden, Kunden und allem, was drum herum hängt, das möchte ich nicht so einfach aufgeben. Dafür bin ich auch nicht der Typ. So etwas lässt sich nicht in ein oder zwei Jahren in Antwerpen eins zu eins wieder aufbauen. Dafür habe ich hier immerhin vierzehn Jahre gebraucht. Sicherlich hätte man dann nicht mehr diese Fahrerei und hätte nicht zwei Wohnsitze, aber mir würde ganz viel fehlen. Später vielleicht ..., wenn ich mal in Rente bin (lacht). Aber in absehbarer Zeit nicht! 

Aber Antwerpen ist schon eine schöne Stadt. 

 

Ja, das finde ich natürlich auch. Es ist eine wahnsinnig interessante und auch kreativ anregende Stadt. Ganz besonders spannend finde ich dort gerade die städtische Entwicklung in der Innenstadt und auch in anderen Stadtteilen. Hier wird einfach ganz viel für die Bürger gemacht. Es gibt neue Parks, hier finden viele umsonst & draußen Veranstaltungen statt. Außerdem wird das ganze Hafengebiet gerade komplett umgebaut. Durch das neue Museum MAS - Museum aan de Stroom, passiert auch in der Ecke ganz viel Neues. Ich glaube, ich kenne keine Stadt, in der so viel im Wandel ist wie Antwerpen. Außerdem fahren wir super viel Fahrrad hier, was auch genial ist, da die Wege dort viel besser auf Fahrradfahrer ausgerichtet sind. Also insgesamt mag ich den Wechsel von Ort zu Ort, dass ist sehr spannend. 

 

Finanzierst du dich hauptsächlich über deine grafische Arbeit oder mehr über die Fotografie? 

 

Ich habe es tatsächlich noch niemals richtig ausgerechnet, um es genau sagen zu können. Aber natürlich finanziere ich mich nicht über meine Kunstfotografie. Darüber finanziere ich nichts. Es ist eher so, dass ich dafür sehr viel kaufen und organisieren muss. Ich muss also eher Investitionen leisten. Ansonsten mache ich auch viel Corporate- und Business-Fotografie, bei der ich zum Beispiel Mitarbeiter oder Geschäftsführer fotografiere, für Agenturen, aber auch für direkte Kunden. Das ist total unterschiedlich. Mal eine Maschinenbaufirma im Münsterland und dann letztens die Stadtwerke in Düsseldorf, das ist völlig gemischt. Grafik mache ich zeittechnisch vielleicht mehr, da dies auch einfach etwas anderes ist, als ein, zwei oder drei Shootingtage. Grafikjobs laufen meistens zeitlich länger. Ich arbeite häufig auch für Eventagenturen. Da gestalte ich dann die ganze Beschilderung und das Keyvisual und bin in die gesamte Umsetzung involviert. Das mache ich so schon seitdem ich Studentin bin. Das läuft teilweise über zwei oder drei Monate. Ich arbeite dann nicht jeden Tag von morgens bis abends an diesem einen Projekt, aber immer mal wieder. In diesem Bereich habe ich auch sehr viele Stammkunden, teilweise seit über zehn Jahren, die immer wieder spannende und kreative Dinge benötigen. Zeitlich beschäftige ich mich also mehr mit Grafik. Ich würde mal sagen, dass es vom Umsatz her die Hälfte ausmacht. 

 

Hattest du nie den Wunsch, angestellt zu sein? 

 

Ich hatte einmal für ein halbes Jahr in Münster ein Angebot als festangestellte Fotografin. Das hörte sich auch erst einmal ganz gut an. Das war im Modebereich. Es ging um Männermode, sogar um ganz coole, stylische Sachen. Da sollte ich im Grunde die ganze Studio-Leitung übernehmen. Aber als ich das eine Zeit lang gemacht hatte, habe ich eigentlich gemerkt, dass ich meine eigenen Ideen gar nicht so richtig einbringen konnte. Und da habe ich dann festgestellt, dass ich zu selbstständig für einen solchen Job bin. Ich habe dann ehrlich gesagt: „Als Freie könnt ihr mich gerne buchen, aber so ist das nichts für mich.“ Um angestellt zu arbeiten, müsste das schon ein Job sein, der meinen Vorstellungen entspricht. Da kann dann auch das Ergebnis zählen, aber wie genau man dort hin kommt, sollte man schon den Kreativen überlassen. Über eine Festanstellung habe ich eigentlich auch nie echt nachgedacht. Es war mir immer klar, dass ich mal verschiedene Kunden haben würde und sie selbstständig bearbeiten kann, auch wenn das manchmal sehr zeitintensiv ist. Man kann sich dann eben nicht mal ausruhen und sagen: „Das wird mir zu viel, mein Kollege übernimmt dann mal.“ Wenn ich einen Auftrag habe, dann muss ich mich eben hinsetzen und so lange arbeiten, bis der Job fertig ist.  

 

 

 

 


"Ich kann gut mit Leuten arbeiten, die sich ansonsten nicht gerne fotografieren lassen."


Würdest du denn lieber mehr fotografieren oder macht es dir Spaß, deine Zeit so aufzuteilen? 

 

Darüber habe ich schon häufiger nachgedacht. Schon während meines Studiums habe ich immer wieder darüber nachgedacht, ob ich mich komplett für Fotografie hätte entscheiden sollen. Durch mein Studium, Kommu-nikationsdesign, dass eben auf kreative Medien in verschiedenen Bereichen angelegt war, war es dadurch auch klar, dass ich immer auch viel mit Gestaltung im Grafikdesign zu tun hatte. Außerdem hatte ich als Studentin immer in Grafikbüros gearbeitet. Und dann war das auch schon ein wenig ein Selbstläufer. Ich mag die Mischung generell sehr gerne. Dieses Jahr hatte ich zum Beispiel sehr viele Fotografie-Aufträge. Ich mache ja meistens People-Sachen. Das ist auch mein Steckenpferd. Ich mache das super gern und kann das meistens auch ganz gut. Zumindest bekomme ich das so gesagt. Das Feedback zeigt mir, dass sich die Leute wohlfühlen. 

 

Ich kann gut mit Leuten arbeiten, die sich ansonsten nicht gerne fotografieren lassen. Das mache ich auch am liebsten. So High-End-Models werden in der Regel schon vorgeformt. Ich arbeite gerne mit ganz einfachen, normalen Leuten. Also wirkliches People-Shooting. Und wenn ich das dann wieder mehr mache, dann macht es mir mega viel Spaß und gleichzeitig bin ich danach auch wieder froh, beim Grafikdesign dann wieder alleine im Büro sitzen zu können. Ich glaube, diese enge Kommunikation mit dem Gegenüber beim Shooting ist schon eine ganz andere Art der Arbeit, als wenn du kreative Grafik machst. So empfinde ich das. Und ich denke daher, diese Mischung ist ganz gut. 

 

Wäre es nicht dein Traum, nur freie Sachen machen zu können? 

 

Ja, das ist schon mein Traum (lacht)! Einer meiner zeit-genössischen Lieblings-Fotografen ist Erwin Olaf (*1959), ein niederländischer Fotokünstler, der ganz groß im Geschäft ist und weltweit zu den bekanntesten Newcomer-Fotografen gehört. Meine Themenwelten sind auch ähnlich in der Anmutung. Er inszeniert auch sehr viel und baut ganze Wohnräume auf. Das ist alles sehr aufwendig. Er hat dafür auch einen ganzen Trupp zur Verfügung: Retuscheure, Stylisten und Set-Bauer … Das ist natürlich mein Traum. Es wäre schon toll, einfach ein oder zwei Set-Bauer zu haben, denen ich zum Beispiel einfach sagen kann: „Ich möchte jetzt gerne die Ecke einer Schulklasse haben. Baut mir das bitte!“ Und ich müsste dann nur dazu sagen, „super“ oder eben nicht. Und er verkauft seine Bilder für sehr, sehr viel Geld. Das ist dann schon ein Traum!

 

Wo ziehst du denn genau die Grenze zwischen dem Künstlerischen und dem Handwerklichen? 

 

Das ist schon ein wenig verwischend, das stimmt. Aber es gibt schon einen großen Unterschied, ich merke das in meiner Arbeit immer mehr … Ich muss mit meiner Zeit natürlich haushalten, da mein Unternehmen ja auch eine hohe Priorität in meinem Leben hat, ich muss ja schließlich auch leben (lacht). Ich bin eben nicht die, die sagt, ich lebe nur von Brot und Wasser und mache nur noch Kunst. Dann könnte ich mir ja auch meine freien Arbeiten nicht mehr leisten. Meine Kunst ist ja auch teuer. Bei so aufwendig inszenierten Sachen braucht man ja ein Büro, die ganzen Accessoires müssen gekauft werden und ebenso das Equipment. Wenn du es analog machst, musst du auch noch die Filme bezahlen, einscannen und bearbeiten. Man muss eben immer etwas in die Fotografie investieren. 

 

Ich muss also mit meiner Zeit haushalten und irgendwann habe ich mir dann vor Augen geführt, dass es für mich drei Dinge gibt: Grafikdesign, Werbefotografie und Kunstfotografie. Und bei der Kunst darf mir niemand reinreden. Da ist mir die Meinung anderer total egal … Natürlich ist das nicht ganz so, denn natürlich freue ich mich auch, wenn mich hundert Leute auf Facebook liken. Das ist dann für mich der Lohn. Das ist wie beim Musiker der Applaus oder die Zugabe-Rufe. Aber davon mache ich nicht abhängig, wie ich ein Bild mache. Ich denke nicht darüber nach, ob es besser ist, das rote Kleid zu nehmen, nur weil vielleicht Rot immer besser zieht als Gelb. Und ob dieser Hund mehr zieht als jener, oder so … Das ist für mich Kunst! Das habe ich irgendwann einmal ganz klar für mich erkannt! Wenn ich etwas genau so mache, wie ich es will, dann ist es Kunst! Oder ich gehe eben auf den Kunden ein: Wie möchte er dargestellt werden? Seriös, sympathisch oder eben beides zusammen? In welches Ambiente passt er? Bei solchen Jobs gehe ich dann zu hundert Prozent auf den Kunden ein. Das ist dann keine Kunst für mich. Das ist dann Handwerk, aber auch Können und Menschenkenntnis.  




Deine Hundefotografie ist ja reine Kunst für dich. Wenn dich jemand fragen würde, ob du seinen Hund so fotografieren könntest, würdest du das als Auftrag annehmen? 

 

Das sind tatsächlich so „Zwitterarbeiten“. Tatsächlich habe ich aber die Entscheidung getroffen, dass ich nicht viel B2C (Business to Consumer) mache. Gerade vor Weihnachten rufen mich oft Leute an und fragen mich, ob ich nicht auch mal Porträts für sie machen könnte. Aber das ist dann natürlich nicht so wie unten an der Ecke, wo man für einen kleinen Betrag ein paar Porträts mit Abzug und Rahmen bekommen kann, das muss ich ihnen dann schon erklären. So etwas lohnt sich bei mir auch gar nicht. Da bin ich also immer sehr vorsichtig. Es sei denn, der Auftrag würde gut zu meinem Projekt passen.

 

Wenn der Kunde beispielsweise einen Hund hätte, der super in mein Set passt, dann ist das okay. Ich habe dann ein Bild für mich und der Kunde bekommt einen Abzug. Dann sind beide zufrieden. Aber da mache ich dann schon Unterschiede. Und dann gibt es auch Leute, entfernte Bekannte aus der Szene, der Sixties-Retro-Szene, die ich ja sowieso fotografiere, die möchten schon mal Bilder von sich haben. Erst letztens haben welche angefragt, ob sie ein Hochzeitsbild in meinem Set bekommen könnten. Das fand ich dann natürlich auch interessant. Ich hab dann gesagt, dass ich das gerne mache, wenn wir das Set so nehmen, wie es ist und ich es nicht extra umbauen muss, was immer sehr aufwendig ist. Dann mache ich sowas auch, aber das passiert nicht so oft. Dafür habe ich dann einfach auch nicht die Zeit. 

 

Wenn man anderweitig Geld verdienen muss, ist die Zeit für die Kunst natürlich beschränkt. 

 

Mal mehr, mal weniger … Die Shootings, zum Beispiel mit den Hunden, dauern meistens nicht so lange. Anderthalb Stunden in diesem Fall. Heute waren ein paar Doggen hier, die wollen nach ein, zwei Stunden dann natürlich auch wieder raus in die Natur. Die waren echt total niedlich. 

 

Hast du denn einen persönlichen Bezug zu Hunden? 

 

Ich habe selber keinen Hund, aber eine Katze „Otis“. Als Kind hatte ich aber zwei. Ich mag sie einfach total, ich finde Hunde lustig. Aber ich habe keinen, weil ich dafür einfach keine Zeit habe. Ansonsten habe ich aber Tiere und besonders Hunde sehr gerne,  schon von Kindesbeinen an. Und durch dieses Projekt ist das noch mehr geworden. Ich habe dadurch auch all die verschiedenen Rassen näher kennen gelernt und das ist hochinteressant, weil auch die einzelnen Rassen auf dem Set unterschiedlich reagieren. Die Pudel zum Beispiel, die ich noch zu Anfang des Projekts fotografiert habe, waren ganz krass erzogen. Sie sind wirklich sitzen geblieben, ewig lange. Und da konnte ich wirklich die ganze Zeit durchfotografieren. 

 

Ein anderes Extrem waren zum Beispiel die Bloodhounds. Das sind ganz große Hunde, von denen es gar nicht mehr so viele gibt. Und da sagten mir die Besitzer von Anfang an, dass sie ganz anders sind, als andere Hunde, weil sie nämlich nicht richtig hören. Das sind sehr eigenständige Hunde, die man nicht klassisch erziehen kann. Und das habe ich dann auch gemerkt. Das war lustig mit denen. Bei hundert Fotos waren alle drei gefühlt nur zehn mal zusammen drauf … (lacht) Sobald das Herrchen wegging, liefen sie schon wieder aus dem Set raus. Das waren wirklich ganz süße Hund und sie waren so groß …, aber sie blieben eben einfach nicht sitzen. Entweder hatte ich das Herrchen mit im Bild oder die Hunde waren schon wieder raus aus dem Bild. 

 

Wie kamst du auf die Idee mit deiner Hundeserie? 

 

Wie kam ich darauf? Ich kann es eigentlich gar nicht mehr so genau sagen. Ich wollte auf jeden Fall etwas mit Tieren machen, mit Hunden im Besonderen. Und vor langer Zeit, bestimmt schon vor zehn Jahren, habe ich schon einmal ein Hundebild gemacht, aber nur mit einem Hund. Das gefiel mir. Und die Serie mit den abgeschnittenen Menschen entstand ganz zufällig. Ich hatte hier eine Frau mit drei Foxterriern. Es war eigentlich Zufall, dass sie genau drei Foxterrier hatte. Die fotografierte ich dann in Zusammenhang mit meiner „Just wait here“-Serie. Und dann sagte sie auf einmal, dass sie mal einen meiner Mäntel anziehen wolle und stellte sich ins Bild. Eigentlich war sie gar nicht sixtiesmäßig zurecht gemacht, aber mit meinem Mantel und den drei Hunden passte es dann wieder. Und so habe ich sie einfach oben abgeschnitten. Das Bild fand ich einfach super. Und später kam ich dann auf das Thema, Oldschool-Hunde zu fotografieren. Das sind Hunde, an die ich mich als Kind erinnere, so aus den Siebzigern. Damals hatte jede Tante einen Foxterrier. Das waren so Tanten-Hunde. Genauso wie Schnauzer, das sind richtige Onkel-Hunde. 

 

Stimmt, viele Hunderassen von damals sieht man heute gar nicht mehr. Auch Langhaardackel sind gerade nicht modern. 

 

Genau. Ich bin schon unheimlich lange auf der Suche nach Langhaardackeln. Ich hatte fast einen, aber der Besitzer hat wenig Zeit. Da muss ich noch dran bleiben … In Süddeutschland gibt es noch mehr davon. Aber hier hat der Rauhaardackel den Langhaardackel verdrängt. 

 

Ist die Arbeit mit Hunden grundsätzlich schwierig? 

 

Die Züchter, die hier mit den Hunden herkommen, kennen die Hunde ja gut. Und zehn Minuten später haben sie meist schon Vertrauen zu mir gefasst. Sie setzen sich dann vor mir auf den Boden oder wollen auf meinen Schoß. Die Dogge heute hat mir aus Versehen auf den Fuß getreten … und die war 75 Kilo schwer. Das hat man dann schon gemerkt. Aber ganz süße Tierchen, richtige Riesenbabys. Das ist einfach ein Hund, der selber nicht weiß, dass er so riesig ist.  

 

Bereitest du für die Hunde extra etwas vor? Leckerchen oder so? 

 

Nein. Die haben meistens ihre eigenen Leckerlies dabei. Viele Züchter mögen es auch nicht, wenn man denen etwas anderes gibt. Ich arbeite ja meist mit Züchtern, da ich immer drei Hunde brauche. Oft sind die auch nicht von einem Züchter, sondern oft auch von zweien. Die haben dann ihr spezielles Futter. 

 

Welche anderen Kunst-Projekte hast du noch gemacht? 

 

Zum Beispiel die „Just wait here“-Serie, die auch über Jahre gegangen ist. Da habe ich dann Leute porträtiert, die wirklich noch diesen Sixties-Style selber leben. Sie waren dann auch nicht groß verkleidet, sondern sehen auch heute noch so aus, wie in den sechziger Jahren. Das war ein tolles Projekt, für das ich viele Bilder gemacht habe.  


"Bei mir ist es also nicht nur so, dass ich mich und mein Set verkleide, sondern ich bilde mich und mein Leben auch damit ab."


Wieso gerade die Sixties? 

 

Gute Frage. Das ist tatsächlich bei mir schon in der Pubertät verwurzelt, weil ich auch immer in Bands Bass gespielt habe und diese Musik schon immer geliebt habe. Und in dieser bestimmten Sixties-Mods-Szene haben sich dann auch immer die Leutchen zusammengefunden, die gerne Sixties-Musik gehört haben. Das ist einfach so ein Szeneding. Bei mir ist es also nicht nur so, dass ich mich und mein Set verkleide, sondern ich bilde mich und mein Leben auch damit ab. Deswegen sage ich immer, dass es zwar unheimlich inszeniert ist, aber auch etwas Dokumentarisches hat, weil die Leute, die dann kommen, meistens auch tatsächlich so aussehen und so rumlaufen. Ich habe hier keinen Stylisten, der sie sixtiesmäßig anzieht. Das ist alles echt. 

 

Deine Modelle sind also meist Bekannte aus der Szene? 

 

Ja. Wenn man mal am Wochenende auf einem Konzert ist, dann sieht man sie da alle. Ich kenne natürlich nicht alle persönlich, aber um mehrere Ecke schon. Manchmal spreche ich auch Leute an, die ich nur vom Sehen kenne. Die Szene ist ja überschaubar. Irgendwann hast du sie dann alle gehabt … (lacht) 

 

Und was hast du danach vor? 

 

Ich bin momentan so ein bisschen an einem Wendepunkt. Die Hundebilder will ich noch weiter machen. Die möchte

ich auch noch in einem Kalender verewigen. Das ist immer ein ganz schönes Ziel. Mit den Kalendern habe ich 2015 angefangen, da war meine „Just wait here“-Serie drin. 2016 waren mehr so Sechziger Jahre Still-Lifes drin. Und 2017 oder 2018 sollen die Hunde dann als Kalender erscheinen. Ich habe gemerkt, dass das für mich als Ziel toll ist, diese dreizehn Bilder zusammenzutragen. Und dann reicht für mich so ein Projekt auch. Dreizehn Bilder sind für mich auch sehr viel. Und jetzt bin ich eben an so einem Wendepunkt, dass ich nicht weiß, ob ich nach den Hunden immer noch weiter meine Sets im Studio baue oder vielleicht wieder Locations draußen suche. Das weiß ich noch nicht so genau. 

 

Eine Sache läuft da gerade auch noch parallel, die heißt „I love/am Elvis“. Ich habe da tatsächlich angefangen, Elvis-Impersonators, also Elvis-Darsteller, zu fotografieren. Davon habe ich schon drei oder vier. Die habe ich jetzt aber nicht in diesem Sixties-Studio fotografiert, weil ich das nicht ganz rund fand in dieser Atmosphäre. Die habe ich jetzt erst einmal nur vor blauem Hintergrund fotografiert, weil Elvis in seinen Filmen aus den Fünfzigern sehr oft diesen hellblauen Himmel hinter sich hatte. Aber ich werde mal sehen, ob ich in der Retusche noch ein realistisches Element in den Hintergrund setze. Da bin ich aber noch in der Entwicklungsphase. Ich fotografiere jetzt erst einmal die Jungs und schaue mal, was ich damit mache. 

 

Gibt es viele Elvis-Imitatoren? 

 

Eigentlich ja. Ich maile einige über das Internet an, aber manchmal ist das nicht so ganz einfach. Das ist auch eine eigene Szene für sich und sie sind manchmal etwas eigen. Darum will ich meine Suche jetzt auch mal europaweit ausbreiten. Es gibt zwar noch zwei deutsche Darsteller, die würde ich gerne porträtieren, aber sie hatten bisher keine Zeit. Und das ist dann auch ermüdend, wenn man immer wieder nachfragen muss und keine positive Resonanz bekommt. 

 

Nimmst du mit deinen Bildern auch viel an Ausstellungen teil? 

 

Ja, schon. Letztes Jahr waren es zwei oder drei Ausstellungen – in einem kleineren Rahmen. Ich habe auch längere Zeit in der Galerie Artodomo in Antwerpen gehangen. Das ging über ein Jahr, war eine interessante Gruppenausstellung mit anderen internationalen Künstlern. Und bei Wettbewerben, wenn ich denn mal dazu komme, bin ich auch oft in die engere Auswahl gekommen und in diesem Zuge macht man dann auch bei solchen Ausstellungen mit, zum Beispiel in San Francisco, Belfast, in Italien, in London … Das ist immer unterschiedlich. Je mehr ich mich drum kümmere, je mehr kommt dann natürlich auch. 

 

Sind diese Wettbewerbe und Ausstellungen dann immer themenbezogen oder kannst du deine eigenen Motive einreichen? 

 

Beides. Wenn es um Naturbilder geht oder um doku-mentarische Pressefotos, dann weiß ich schon, dass meine Bilder thematisch natürlich nicht passen. Darauf sollte man schon achten, dass man dort auch in der richtigen Kategorie einreicht. Aber oft gibt es da ganz offene Ausschreibungen, zum Beispiel zum Thema People oder Animals. Da kann ich dann immer gut etwas hinschicken. Aber letztes Jahr hatte ich wieder sehr viel Arbeit und dann steht das immer ganz hinten an. Ich bin ja froh, dass ich die Zeit habe, die Fotos überhaupt zu machen. Sie jetzt auch noch zu vermarkten, mehr als über Facebook und Instagram, dafür fehlt dann die Zeit. Man braucht ja auch ab und zu etwas Freizeit. 

 

Du hast dieses Jahr auch bei der WOGA teilgenommen. Hast du das schon öfters gemacht? 

 

Nein, das war das erste Mal. Ich hatte das zwar immer mal geplant, doch irgendwie kam es vorher noch nicht dazu. Aber dieses Jahr war ich dabei und es hat total Spaß gemacht. Es war echt super, das hätte ich vorher nicht gedacht. Ich habe das auch nicht hier gemacht, sondern in der Schreinerstraße in einem Ladenlokal. Das war eine tolle Location. Ich war ganz begeistert. Es waren auch sehr viele Leute da, bestimmt 200 bis 250 Besucher. Das liegt ja auch gleich an der Marienstraße, das ist natürlich eine Top-Location. Auch in diesem Jahr werde ich wieder an der WOGA teilnehmen. Dieses mal öffne ich meine eigenen Türen in der Wiesenstraße 118. Mal sehen ob auch hier viele Menschen hinfinden werden.






Hast du noch ein besonderes Ziel für die Zukunft, ein Projekt, das du verwirklichen möchtest? 

 

Ich denke, dass es mich irgendwann wieder mal nach draußen ziehen wird … Es wird vermutlich wieder in Richtung 50er und 60er Jahre gehen, aber dann eher in den Bereich Architektur. Zwar wieder Inszenierungen, aber keine selbstgebauten Wohnzimmer mehr, sondern Locations draußen. Aber ich bin momentan noch so in Gedanken bei den Hunden … Ich denke gerade darüber nach, dass ich noch Dackel brauche ... und Dalmatiner. Es ist einfach so wenig Zeit. Es wird schon ein großer Sprung sein, wenn ich das Set hier nicht mehr aufbauen will, aber vielleicht baue ich es ja auch noch zwanzig Jahre lang auf … ich weiß es einfach noch nicht. Ich möchte ja auch meinem Stil treu bleiben und das hier ist momentan genau mein Ding. Andererseits wäre etwas ganz anderes auch mal nicht schlecht.

 

Arbeitest du eher strukturiert oder chaotisch? 

 

Es ist schwierig, das so zu sagen. Ich bin schon eine Mischung aus beidem. Von Geburt an bin ich eigentlich gar nicht strukturiert, doch meine Arbeit zwingt mich dazu, so strukturiert zu sein, dass es eben klappt. Natürlich muss ich Termine und Abgaben einhalten. Solche Strukturen muss man schon haben, aber sie werden einem auch von außen aufgedrängt. Ich bin da sehr flexibel und schwimme so durch den ganzen „Irrsinn“ ... (lacht)

 

Arbeitest du regelmäßig oder hast du zwischendurch auch mal ein paar Wochen frei? 

 

Nein, eigentlich nicht. Es gibt kaum eine Woche, in der ich nicht irgendetwas fertigstellen muss. Ich hätte auch gerne mal ein paar Wochen, in denen ich mich mal um ganz andere Sachen kümmern kann, so wie die Überarbeitung meiner Homepage. Es wäre toll, mal in Ruhe etwas machen zu können, aber so ist das leider nie. Immer muss irgendetwas fertig werden. Ich arbeite meist von neun oder halb zehn bis sieben, acht Uhr abends. Manchmal mache ich schon mal längere Pausen, aber ich gehe selten schon mal um vier. Dann habe ich schnell ein schlechtes Gewissen.  

 

Bist du ein Frühaufsteher? 

 

Das jetzt nicht gerade. Ich bin ein richtiger Tagmensch. Es darf weder zu früh noch zu spät für mich sein. Ich könnte auch nicht nächtelang durcharbeiten, dafür bin ich nicht der Typ. Bis zehn kann ich arbeiten, aber um zwölf muss ich dann auch schlafen. Aber es kommt auch schon mal vor, dass man sich für ein Shooting morgens um vier treffen muss. Wenn man zum Beispiel morgens die blaue Stunde einfangen will, dann muss man auch früh anfangen. Das geht dann also auch! Aber es ist eben nicht meine Lieblingszeit. 

 

Was ist dein Erfolgsrezept? 

 

Erfolg haben heißt für mich, dass meine Kunden zufrieden sind und ich selbst auch. Ich sehe mich da auch in erster Linie als visueller Dienstleister und weniger als Künstler. Wichtig ist auch, dass man liebt, was man macht. Und es ist mir auch sehr wichtig, dass ich zu allen so bin, wie ich eben bin und mich nicht verstelle. Ich bin einfach die Type, die ich eben bin. 

 

Würden dich auch andere kreative Ausdrucksmöglichkeiten interessieren? 

 

Die Fotografie und die Grafik sind so große Bereiche, dass sie mich vollkommen auslasten. Es würde mich verrückt machen, wenn ich jetzt auch noch illustrieren oder malen würde. Nein, dafür bin ich viel zu perfektionistisch. Diese zwei Bereiche sind so riesengroß, dass es eine Lebensaufgabe ist, darin wirklich gut zu sein. 

 

Könntest du dir einen anderen Beruf vorstellen? 

 

Design und Fotografie zu kombinieren ist schon so ziemlich mein Traumberuf. Hätte ich etwas anderes wählen müssen, dann vielleicht etwas mit Tieren. Verhaltensforschung wäre sicher etwas sehr Spannendes gewesen. #

 

 

Zur Person

Patricia Eichert - Jahrgang 1971  -  geboren in Mettmann -  Diplom- Grafikerin und Fotografin  - lebt und arbeitet in Wuppertal  und Antwerpen  

 

www.patricia-eichert.com


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