"Das Gestalten und Erfinden von Dingen, Wesen und Welten gehört zu meinem Leben, solang meine Erinnerungen zurück reichen. "

 

Martin Langer Skulpturen.

Geschöpfe aus einer anderen Welt.

Wir besuchen den Bildhauer Martin Langer in seinem Atelierhaus, in dem er seit Ende 2020 lebt und arbeitet, sowie weitere Ateliers für andere Künstler vermietet.  Ein alte Malzfabrik im Osten Wuppertals, mit einem sonnigen Garten hinter dem Haus und viel Platz zum Arbeiten und leben.

Wie bist du zur Kunst gekommen? 

 

Martin Langer:  Das Gestalten und Erfinden von Dingen, Wesen und Welten gehört zu meinem Leben, solang meine Erinnerungen zurück reichen. Dass es auch einen Beruf "Künstler" gibt, wurde mir erst später, während meine Ausbildung zum Orgelbauer bewusst.

 

War Dein Weg zum Künstlerdasein für Dich immer klar oder gab es Umwege?  

 

Als mich mal ein Freund mitnahm zum Tag der offenen Tür einer Kunsthochschule war es um mich geschehen: da war mir klar, dass die Bildhauerei mein Weg sein wird. Nach einem Jahr als Orgelbaugeselle habe ich mein Bildhauerstudium begonnen und gleich nach dem Abschluss mein eigenes Atelier bezogen. Ich habe nie daran gezweifelt, die Kunst war und ist mein Leben. 

 

 

Hast Du von Anfang an Förderer und Fans Deiner Kunst gehabt? Oder musstest Du Dir diese hart erarbeiten?  

 

Bereits während meines Studiums haben sich Menschen für meine Kunst interessiert und konnte ich einige auch größere Werke verkaufen. Wenn es auch nicht den Riesenerfolg gab, so blieb es über die Jahre doch recht kontinuierlich, zwischendurch gab es auch mal größere Projekte oder Ankäufe. Und das obwohl ich oftmals nicht das gemacht habe was sich am besten verkaufen lässt, sondern das was mir wichtig war.  

 

 

Wie vermarktest Du Dich und Deine Werke  

 

Auf vielfältige Weise: über (klassische) Galerien, über Ausstellungen in kulturellen Institutionen, in Skulpturenparks, Museen, städtischen Galerien und Kunsthäusern… Aber auch über selbst organisierte Projekte und Atelierausstellungen. Während des Lockdowns habe ich zwei Monate lang jeden Tag eine kleine Skulptur angefertigt und jeden Abend die Fotos auf meine Homepage gestellt – ich habe sie alle verkauft.


Welche „artfremden“ Jobs hattest Du bislang in Deinem Leben?  

 

Nach der Orgelbaulehre keine mehr. Mal abgesehen vom aktuellen Renovieren, Aus- und Umbauen der ehemaligen Malzfabrik zum "KunstWerk Wuppertal". 


"An einem Ort Leben und arbeiten zu können habe ich schon immer als großes Glück empfunden. "


Wie startest Du in Deinen Tag, oder wie strukturierst Du Deinen Alltag? Gibt es Rituale?  

 

Der Wecker klingelt um sieben, um acht beginnt die Arbeit: am liebsten natürlich gleich im Atelier, aber oft ruft auch der Schreibtisch. Auch dort gibt es immer viel zu erledigen. Das Ende ist eher offen und wie bei vielen Freischaffenden sind die Übergänge von Arbeit zu Freizeit fließend.  

 

Wo und wie arbeitest Du am liebsten? 

 

An einem Ort Leben und arbeiten zu können habe ich schon immer als großes Glück empfunden. Seit 2020 ist das nun ein kleines altes Fabrikgebäude in Oberbarmen, das ich erworben habe und nun zum "KunstWerk Wuppertal" umgestalte. Demnächst werden hier weitere Künstler*innen ihre Ateliers beziehen und es werden hier Ausstellungen, kleinere Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. Auch menschliche Begegnungen und fachlichen Austausch erlebe ich als eine Bereicherung. Am liebsten arbeite ich ruhig und kontinuierlich, gleichmäßig und ausdauernd. 

 

Welche Materialien nutzt oder bevorzugst Du für Deine Kunst?  

 

Meine große Leidenschaft ist das Holz. Es spricht alle Sinne an: es lässt sich wunderbar erfühlen und ertasten, es hat vielfältige Farben und Maserungen, es duftet und kling… Zudem lässt es sich sehr gut bearbeiten und bietet vielfältige gestalterische Möglichkeiten. Es ist ökologisch und nachhaltig, meine Hölzer stammen alle aus "regionalem Anbau". Beton verwende ich gern für Gartenskulpturen und Kunst-am-Bau-Projekte. Auch liebe ich das Entdecken und Experimentieren von und mit neuen oder ungewöhnlichen Materialien. So habe ich vor einigen Jahren eine Reihe von Skulpturen aus Kunststoffblöcken aus industriellem Abfall angefertigt, eine Form des upcycling sozusagen. Da galt es zunächst Methoden der Verarbeitung zu finden und entwickeln. Bei einigen Objekten, insbesondere bei meinen Maschinen und Apparaten, verwende ich Fundstücke aus der Natur sowie von Flohmärkten, Sperrmüll, Schrottplätzen usw. 

 

Gibt es ein Hauptthema in Deinem künstlerischem Schaffen, oder Themen, die immer wieder auftauchen?  

 

Während des Studiums habe ich mich viel mit der menschlichen Gestalt befasst. Ausgehend vom exakten Portraitieren, Aktzeichnen und –modellieren habe ich die Formen immer weiter reduziert. Ein wiederkehrendes Motiv sind der König und die Königin, welches ich in verschiedensten Arten, Größen und Materialien umgesetzt habe. Die "Geschöpfe" bilden eine weitere Werkgruppe. Freie Arbeiten gebildet auf der Grundlage der Formensprache der Natur. Wesen aus einem Niemandsland zwischen Tierreich und Pflanzenreich. Die "Artefakte" bilden in den letzten Jahren den Schwerpunkt meines Schaffens: aus Holz gefertigten Objekte legen vertraute ethnologische oder völkerkundliche Zusammenhänge nahe. Menschen anderer Zeiten, anderer Kulturen scheinen sie zum Gebrauch hergestellt und rege genutzt zu haben. Das lassen auch die teils stark vernarbten Oberflächen vermuten. Näher betrachtet irritieren jedoch diese „Artefakte“, entziehen sich einer Zuordnung oder Bestimmung. Zwar gibt es reichlich Anklänge an häuslichen Gebrauch, bäuerliche oder handwerkliche Geräte, auch an kultische Nutzung. Doch wer sollte diese Gegenstände und zu welchem Zweck erschaffen haben? Die Erkenntnis, dass jede Deutung reine Spekulation ist, bleibt unvermeidlich...  

 

In welcher künstlerischen Disziplin bist Du bevorzugt tätig?  

 

Skulpturen, Objekte und Installation. Ergänzend dazu Zeichnung, Fotografie und Fotomontage.  

 

Was tust Du, wenn Dich eine Schaffenskrise erwischt?  

 

Das ist mir noch nie passiert. 

 

Was oder wer treibt Dich an?  

 

Eine große, bisher nie versiegende Schaffensfreude.  

 

Wie kommst Du in den „Flow“?  

 

Einfach anfangen… es ist mir wohl gegeben mich gut auf etwas einlassen zu können und äußere und innere Störungen weitgehend auszublenden. "Flow" heißt ja fließen lassen… also erstmal sich dem Strömen hinzugeben und dann ganz behutsam den Fluss lenken.

 

Was zerstört Deinen „Flow“ umgehend?  

 

Piepsende Smartphones. 

 

Welche Interviewfrage wolltest Du schon immer einmal gestellt bekommen / beantworten?  

 

"Was ist dein Lieblingsduft?" Der Duft von blühendem Geißblatt in einer warmen Sommernacht. 

 

Wann ist etwas richtig gute Kunst für Dich?  

 

Wenn sie mich ergreift, wenn sie meine Lust weckt mich auf sie einzulassen.

 

Gibt es Kunst, die Du richtig schlecht findest?   

 

Nunja, ich finde es sehr anmaßend über andere zu urteilen. Wenn ich das ergänzen darf zu "richtig schlecht für mich", im Sinne von "das spricht mich nicht an, das langweilt mich", ja, dann muss ich gestehen: Eine ganze Menge, auch von den "Großen". 

 

Warum sollten die Menschen, Kunstsammler, Museen und Galeristen Deine Kunst kaufen?  

 

Weil meine Kunst einmalig und unglaublich gut ist. (Antwort im Sinne eines Rhetorik-Gurus oder Kunst-Coaches) Weil meine Kunst Menschen nachdenklich, fröhlich und glücklich macht.

 

Wie gehst Du mit Kritik an Deinem Werk um?  

 

Kritik hilft mir zu verstehen, wie meine Werke auf andere Menschen wirken, welche Empfindungen, Assoziationen und Reaktionen sie auslösen. Nur in sehr seltenen Fällen hat mich das mal persönlich getroffen, und auch da ist es ja sehr interessant zu fragen wieso. Zumeist sehe ich darin eine Bereicherung. Gäste sind da oftmals viel unbefangener als Kolleg*innen, was ich schade finde. Aber auch ich bin da oft schüchtern aus der Angst zu verletzen.

 

Welche Ziele möchtest Du mit Deiner Kunst noch erreichen?  

 

Es wäre mal an der Zeit für eine schöne Museumsausstellung: Von der Heydt, Landesmuseum Bonn, Rautenstrauch-Jost…sowas in der Art. Auch über die Zusammenarbeit mit neuen Galerien würde ich mich sehr freuen.



Was wäre Dein größter Traum?  

 

Für alle: Frieden unter den Menschen und mit der Natur.
Für mich: Meinen künstlerischen Weg weitergehen zu können, neue Orte, Menschen und Institutionen finden für die meine Kunst eine Bereicherung ist. 

 

Was war der beste Ratschlag, den Du für Deine Arbeit je erhalten hast? 

 

Nicht so viel auf Ratschläge zu hören! Konkrete Ratschläge empfinde ich problematisch, es geht dadurch ein Stück der eigenen Urheberschaft verloren. Da soll der Ratgeber lieber selber umsetzen was er vorgeschlagen hat. 

 

 


Zum Schluss, unsere Rubrik: „Kurze Fragen, kurze Antworten“  

 

Dein aktuelles Lieblingsbuch? 

 

"Artefakte" – ein Buchprojekt an dem ich seit einiger Zeit arbeite… 

 

 

Dein Mantra oder Lieblingsspruch/Zitat lautet? 

 

Form ist meine Sprache, doch nur wer die Liebe kennt, vermag sie zu verstehen. (frei nach E.T.A. Hoffmann) 

 

 

Deine nächste Reise geht am liebsten wohin? 

 

zur Mecklenburgischen Seenplatte. … 

 

 

Deine Vorbilder? 

 

keine. Aber ich bewundere viele Menschen für das was sie erschaffen haben. 

 

 

Was hast Du immer im Kühlschrank? 

 

Ein Kühlpack und viel Gemüse.. … 

 

 

Wie definierst Du Luxus? 

 

All das unnötige, sinnlose und ökologisch zumeist katastrophale Zeug für das Menschen unglaublich viel Geld ausgeben und das doch nicht glücklich macht.  

 

 

Das Leben ist zu kurz um… 

 

…lange Interviews zu geben.


 

Zur Person

Martin Langer

Jahrgang 1967 geboren in Bagdad, Irak

Studium der Bildhauerei an der Alanus Hochschulte Alfter (bei Bonn) bei Jochen Breme

Lebt und arbeitet in Wuppertal.

 

www.martin-langer.net

www.martin-langer.net/aktuelles-ml/aktuelles.html


gehypt und gestrandet - Interviewmagazin


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